Microbial Inactivation MethodsTissue Engineering and Regenerative MedicineUltrasound and Hyperthermia Applications

F. Collettini, T. Auer, C. Stephan, T. Fischer, B. Gebauer

2026.1.22AKTUELLE UROLOGIE

DOI: 10.1055/a-2821-6685

Abstract

Zusammenfassung Die fokale Therapie des lokal begrenzten Prostatakarzinoms hat sich zu einer präzisionsorientierten Alternative zu Ganzdrüsenverfahren entwickelt. Sie zielt darauf ab, klinisch signifikante Tumorherde gezielt zu zerstören und gleichzeitig die umgebenden Strukturen zu schonen, die für Harnkontinenz und Sexualfunktion entscheidend sind. Die irreversible Elektroporation ist eine relativ neue und zunehmend untersuchte fokale Therapieform. Durch kurze Hochspannungsimpulse erzeugt die irreversible Elektroporation permanente Nanoporen in Zellmembranen und löst den Zelltod überwiegend über nicht-thermische Mechanismen aus. Dieser theoretische Vorteil – eine Gewebeablation bei relativer Schonung der kollagenreichen extrazellulären Architektur – hat das Interesse an der irreversiblen Elektroporation insbesondere für Tumoren in der Nähe empfindlicher Strukturen wie der neurovaskulären Bündel, des urethralen Sphinkterkomplexes und der Rektumwand verstärkt. In dieser Übersichtsarbeit stellen wir zentrale prozedurale und technische Aspekte dar und fassen die klinische Evidenz zur irreversiblen Elektroporation beim lokalisierten Prostatakarzinom zusammen. Über prospektive und retrospektive Fallserien hinweg sind die frühen und mittelfristigen onkologischen Signale insgesamt ermutigend; Rezidivmuster und der Bedarf an Nachbehandlungen variieren jedoch zwischen den Kohorten und abhängig von den jeweiligen Nachsorgeprotokollen. Funktionell zeigen sich konsistent exzellente Ergebnisse: Die Kontinenz bleibt bei der überwiegenden Mehrheit der Patienten erhalten und auch die Potenzerhaltung ist oft hoch, typischerweise im Bereich von etwa 75–95% bei Männern, die vor der Behandlung potent waren. Trotz dieser vielversprechenden Ergebnisse ist eine breite Integration in die Routineversorgung bislang durch den Mangel an belastbaren Langzeitendpunkten und das Fehlen randomisierter Vergleiche mit aktuellen Standards wie radikaler Prostatektomie, Radiotherapie oder risikoadaptierter aktiver Überwachung begrenzt. Obwohl prospektive Vergleichsstudien äußerst anspruchsvoll sind (sie erfordern große Fallzahlen, lange Nachbeobachtungszeiten und eine sorgfältige Endpunktdefinition) sind sie entscheidend, um die Rolle der IRE in Therapiealgorithmen zu klären, die Patientenselektion zu optimieren, Nachsorge- und Salvage-Strategien zu standardisieren und letztlich eine dauerhafte Tumorkontrolle bei anhaltendem funktionellem Nutzen zu bestätigen.

Citation format

COLLETTINI, F., et al. Bildgeführte irreversible elektroporation zur behandlung des lokal begrenzten prostatakarzinoms. AKTUELLE UROLOGIE, 2026, 57(02): 184–190.