J. Schwarz, K. Streit
Abstract
Der Klimawandel stellt die Waldwirtschaft vor neue Herausforderungen. Die Temperaturen steigen, die Sommer werden trockener, und viele der heute vorkommenden Baumarten könnten für ihre aktuellen Standorte künftig nicht mehr geeignet sein. Standortkundliche Grundlagen helfen, abzuschätzen, welche Baumarten künftig geeignet sind. Doch unser begrenztes Wissen über ihre Klima- und Bodenansprüche erschwert fundierte Empfehlungen. Zwischen 2020 und 2023 haben das Bundesamt für Umwelt (BAFU), kantonale Forstdienste, Forstbetriebe, Baumschulen und die WSL das Netzwerk «Testpflanzungen zukunftsfähiger Baumarten» aufgebaut, in dem 18 Baumarten entlang breiter Klima- und Bodengradienten getestet werden. Um zu prüfen, ob sie bereits heute an künftig geeigneten Standorten gedeihen können, wurden die Arten auch bis zu zwei Vegetationshöhenstufen über ihrem aktuellen Verbreitungsgebiet gepflanzt. In den Jahren 2023 und 2024 erfolgte eine Mortalitäts- und Schadensinventur der rund 55 000 Jungbäume. Die Daten wurden ausgewertet, um den Einfluss von Pflanzeigenschaften, Art, Standort und Umweltbedingungen auf Überleben und Vitalität zu beurteilen. Im vorliegenden Artikel teilen wir erste Erkenntnisse zur Anwuchsphase und zeigen, dass es in den ersten Jahren nach der Pflanzung deutliche Unterschiede in der Mortalität zwischen Baumarten gab – mit durchschnittlichen Überlebensraten zwischen 58% und 90%. Das Pflanzensortiment hatte einen grösseren Einfluss auf die Mortalität als der Pflanzzeitpunkt oder die Pflanzengrösse. Zudem beeinflusste sowohl die Wasserverfügbarkeit am Standort als auch die Höhenstufe das Überleben junger Bäume deutlich – mit besonders hohen (>30%) Ausfällen in kollinen und subalpinen Lagen. Unsere Ergebnisse belegen, dass sich Baumarten bereits heute erfolgreich auf Standorten etablieren lassen, auf denen das Klima für sie gegen Ende des Jahrhunderts als geeignet gilt.
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SCHWARZ, J.; STREIT, K. Testpflanzungen zukunftsfähiger baumarten: Resultate zur anwuchsphase. Schweizerische Zeitschrift fur Forstwesen, 2026, 177(2): 102.