A. Wiedemann, A. Manseck, J. Stein, R. Kirschner-Hermanns, M. Froehner, M. Butea-Bocu, C. Fiebig, A. Piotrowski, J. Gleissner, C. Linné, T. Liebald, Heribert Schorn, A. Wagner, Volker Moll
2026.2.1AKTUELLE UROLOGIE
Abstract
Zusammenfassung Hintergrund Die Beratung bei einer geplanten Hilfsmittelversorgung ist aktuell in Deutschland nicht gegenfinanziert, nicht reglementiert und wird von diversen Anbietern mit Angestellten unterschiedlicher Qualifikationen im Rahmen eines persönlichen Gesprächs, per Telefon oder remote angeboten. Nicht selten wird die Beratung zwischen Rezept und Bemusterung bzw. Lieferung komplett übersprungen. Die Qualität der Hilfsmittelberatung als wichtigem Element einer passageren, therapiebegleitenden oder palliativen Versorgung einer Harninkontinenz ist daher als problematisch zu bewerten. Ziel der Arbeit Der Arbeitskreis „geriatrische Urologie“ der Deutschen Gesellschaft für Urologie hat 2019 erstmals eine Leitlinie zum Beratungsprozess einer Hilfsmittelversorgung erarbeitet, die aktuell in einem Update vorliegt und bei der Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlich-medizinischer Fachgesellschaften gelistet ist. Grundgedanke war, in Deutschland Qualitätsstandards für die einzelnen Komponenten des Beratungsprozesses von der Erfassung der Inkontinenzform und ihres Schweregrads bis hin zur Bemusterung, dem Beratungsort, dem Beratungsgespräch selbst, der Qualifikation der Beratenden und der Kommunikation zwischen Verordnern, Leistungserbringern und Betroffenen zu definieren. Material und Methode Der vorliegende Artikel stellt den Abdruck der Leitlinienteile über sog. „red flags“ (Krankheitsbilder/Symptome), bei denen primär keine Hilfsmittelberatung, sondern eine ärztliche Konsultation aufgezeigt ist, die Qualifikation der beratenden Personen und die Kosten dar. Diskussion Weil sich die Hilfsmittelberatung aus den geringen Erstattungsbeiträgen der Krankenkassen für eine „angemessene und ausreichende“ Hilfsmittelversorgung generieren soll, die in der Regel bei unter 15 € pro Monat liegen, ziehen sich immer mehr Anbieter komplett aus dem Sektor der Hilfsmittelversorgung zurück oder verkaufen zwar noch Hilfsmittel, jedoch ohne oder nur mit rudimentärer Beratung. Die Leitlinie „Hilfsmittelberatung bei Harninkontinenz“ des Arbeitskreises „geriatrische Urologie“ der DGU soll hier Qualitätsstandards auch im Hinblick auf eine politische Diskussion um Erstattungsbeiträge definieren.
Citation format
WIEDEMANN, A., et al. S2k-leitlinie hilfsmittelberatung bei harninkontinenz der DGU – red flags, qualifikation beratender, kosten. AKTUELLE UROLOGIE, 2026, 57(01): 108–112.