Nicole Bögelein, Dyana Rezene
2026.2.19ZEITSCHRIFT FUR SOZIOLOGIE
Abstract
Zusammenfassung Gerichtsverhandlungen sind maßgeblich durch mündliche Kommunikation geprägt. Um sicherzustellen, dass insbesondere Angeklagte ohne ausreichende Deutschkenntnisse gleichberechtigt an der Verhandlung teilnehmen können, wird auf Dolmetschung zurückgegriffen. Doch auch diese birgt Herausforderungen. Gedolmetschte Verhandlungen sind – noch mehr als einsprachige – komplexe soziale Interaktionen, die gesellschaftliche Machtverhältnisse widerspiegeln. Der vorliegende Text rückt das Dolmetschen als eine verhandlungsrelevante und fairnessbezogene Praxis in den Mittelpunkt. Er geht der Frage nach, wie sich Dolmetschen konkret auf den Ablauf einer Gerichtsverhandlung auswirkt. Die Grundlage für die Analyse bilden ethnografische Beobachtungsprotokolle von Gerichtsverfahren, die sich mit sogenannten Alltagsdelikten befassen. Die Untersuchung zeigt, dass Dolmetschen die ohnehin angespannte Situation einer Gerichtsverhandlung weiter verdichten kann und diskutiert, inwiefern es gerichtlichen Fairnessansprüchen gerecht wird. Sie zeigt ferner auf, dass soziale Faktoren wie Zugehörigkeit, Anpassungsdruck und soziale Hierarchien in gedolmetschten Verhandlungen in besonderer Weise wirksam werden.
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BÖGELEIN, Nicole; REZENE, Dyana. „Oh, das habe ich nicht mitbekommen“ – gerichtsdolmetschen zwischen fairnessanspruch und machtasymmetrien. ZEITSCHRIFT FUR SOZIOLOGIE, 2026, 55(1): 41–57.