C. Roitzsch, F. Beyer, I. Panchyrz, Klaus-Dieter Schaser, L. Hofbauer, B. Engler, R. Riedel, A. Postler
2026.2.23Osteologie
Abstract
Einleitung: Proximale Femurfrakturen (PFF) stellen insbesondere bei geriatrischen Patienten eine erhebliche globale Gesundheitsbelastung dar und sind mit hoher Mortalität assoziiert. Die Studienlage zur Häufigkeit und klinischen Relevanz von Begleitfrakturen zusätzlich zur Indexfraktur ist in dieser Patientengruppe bisher unklar. Ziel dieser Studie war es, den Einfluss von Begleitfrakturen auf Mortalität, Komplikationen, Transfusionsbedarf und postoperative Mobilität bei geriatrischen Patienten mit PFF zu untersuchen. Methode : In diese prospektive, monozentrische Kohortenstudie wurden alle geriatrischen Patienten≥ 65 Jahre mit operativ versorgter PFF nach Niedrigenergietrauma zwischen Januar 2019 und Dezember 2023 eingeschlossen. Patienten mit Begleitfrakturen bei Aufnahme wurden mit Patienten mit isolierter PFF verglichen. Als Endpunkte wurden Mortalität, perioperative Parameter, Komplikationen sowie Mobilität bei Entlassung erfasst. Univariable und multivariable Regressionsanalysen erfolgten unter Adjustierung für Alter, Geschlecht, Komorbiditäten, BMI und Frakturart. Ergebnisse : Es wurden 1.553 Patienten eingeschlossen, davon wiesen 164 (10,5%) insgesamt 180 Begleitfrakturen auf. Patienten mit Begleitfrakturen waren häufiger weiblich (79,3% vs. 64,8%, p<0,001) als die Gruppe der isolierten PFF. Im Übrigen waren beide Gruppen hinsichtlich Alter, Komorbiditäten, BMI, präfraktur-Mobilität und Frakturmorphologie vergleichbar (p>0,05).Am häufigsten betroffen waren obere Extremität (57%), Becken (16%) und Rippen (13%). Bei 89% lag die Begleitfraktur ipsilateral zur PFF vor, bei 29% erfolgte eine operative Versorgung. Im Vergleich zu isolierten PFF zeigten Patienten mit Begleitfrakturen höhere Raten venöser Thromboembolien (VTE) (5,5% vs. 0,9%, p<0.001), benötigten im Mittel 0,4 Erythrozytenkonzentrate mehr (95%-KI 0,114–0,744) und waren bei Entlassung eingeschränkter mobil (OR 0,464, 95%-KI 0,328–0,654). Die Krankenhausmortalität sowie die 90-Tages-Mortalität unterschieden sich nicht zwischen den Gruppen. Allerdings erhöhten begleitende Rippenfrakturen das Risiko für nicht-operative Komplikationen (OR 2,828, 95%-KI 1,175–6,804), VTE (OR 14,770, 95%-KI 4,078–53,492), den Transfusionsbedarf (plus 1,1 EK; 95%-KI 0,323–1,925) sowie die 90-Tages-Mortalität (OR 6,433, 95%-KI 2,675–15,469) deutlich. Diskussion : Begleitfrakturen treten bei mehr als 10% der geriatrischen Patienten mit PFF auf und erhöhen insbesondere das Risiko für eine VTE sowie den Transfusionsbedarf und beeinträchtigen die postoperative Mobilität erheblich. Besonders Rippenfrakturen sind mit einem erhöhten Risiko für Komplikationen und Mortalität assoziiert. Eine hohe Aufmerksamkeit für mögliche Begleitverletzungen bei PFF ist erforderlich, um eine rasche Diagnostik und risikoadaptierte Therapie zu gewährleisten.
Citation format
ROITZSCH, C., et al. Der einfluss von begleitfrakturen auf das outcome nach proximalen femurfrakturen beim geriatrischen patienten: Eine prospektive kohortenstudie mit 1.553 patienten. Osteologie, 2026, 35(02): 161.