Ginger and Zingiberaceae researchPharmacological Effects of Medicinal PlantsPiperaceae Chemical and Biological Studies

Tobias Niedenthal, M. Lechtenberg, Anna Degen, J. Sendker, D. Jobst, A. Hensel

2026.2.1Zeitschrift fur Phytotherapie : offizielles Organ der Ges. f. Phytotherapie e.V

DOI: 10.1055/a-2683-2716

Abstract

Zusammenfassung Ingwer ( Zingiber officinale Roscoe) wurde zur Arzneipflanze des Jahres 2026 gewählt. Ingwerrhizom ist seit Jahrtausenden Bestandteil traditioneller Medizinsysteme vieler unterschiedlicher Kulturen und heute sowohl arzneilich als auch als Lebensmittel etabliert. Arzneilich genutzt wird der getrocknete Wurzelstock (Rhizom), der in nationalen und internationalen Arzneibüchern sowie in Monografien des HMPC und der WHO beschrieben ist. Botanisch handelt es sich um einen ausdauernden Rhizom-Geophyten aus der Familie der Zingiberaceae. Ursprünglich stammt Ingwer aus dem Raum des östlichen Himalayas und Südchinas, wird heute aber weltweit in tropischen Regionen kultiviert. Hauptanbauländer sind Indien, Nigeria und China. Medizingeschichtlich galt Ingwer bereits in der Antike als wärmendes, verdauungsförderndes Mittel. Dieses Wissen wurde im Mittelalter in Klöstern und der arabischen Medizin weiterentwickelt und blieb bis in die Neuzeit erhalten. Die heute bekannteste Anwendung – gegen Reisekrankheit – ist vergleichsweise jung und erst seit dem 19. Jahrhundert belegt. Ingwer enthält eine Ätherisch-Öl-Fraktion (1–3%) mit Sesquiterpenen, überwiegend vom Bisabolantyp sowie nicht-flüchtige Scharfstoffe (bis zu 2,5%), v. a. die homologe Reihe der Gingerole und deren Abbauprodukte, die Shogaole. Diese Inhaltsstoffe sind maßgeblich für Geruch, Geschmack und pharmakologische Wirkungen verantwortlich. Moderne analytische Methoden wie Dünnschichtchromatografie, Gaschromatografie und HPLC dienen der Qualitätssicherung. Klinisch ist Ingwer v. a. zur Prävention und Linderung von Übelkeit und Erbrechen bei Reisekrankheit gut belegt. Weitere traditionelle Anwendungsgebiete umfassen leichte Magen-Darm-Beschwerden, Appetitlosigkeit, Erkältungssymptome und leichte Gelenkschmerzen. Die Wirkung beruht überwiegend auf einer peripheren Modulation der Magenmotilität und der Darm-Hirn-Achse, u. a. durch Effekte auf 5-HT 3 -Rezeptoren. Ingwer gilt insgesamt als gut verträglich und stellt eine sinnvolle pflanzliche Option bei gastrointestinalen Beschwerden dar.

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NIEDENTHAL, Tobias, et al. Arzneipflanze des jahres 2026: Ingwer ( zingiber officinale roscoe). Zeitschrift Fur Phytotherapie Offizielles Organ Der Ges F Phytotherapie Ev, 2026, 47(01): 4–13.