K. Fürholzer

2025.4.3OXFORD GERMAN STUDIES

DOI: 10.1080/00787191.2025.2463026

Abstract

Bei niemand Geringerem als Johann Wolfgang von Goethe findet sich in Wilhelm Meisters Lehrjahre (1795) eine der ersten Beschreibungen jener Sprachstörung, die rund 50 Jahre später als ‘Aphasie’ Bekanntheit erlangte. Goethes Annäherung an sprachliche Ohnmachtserfahrungen wurden in Aphasiologie und Medizingeschichte mit Faszination wahrgenommen; literaturwissenschaftliche Analysen hiervon stehen hingegen weitgehend aus. Das Motiv des Sprachverlustes griff Goethe auch in Die Wahlverwandtschaften (1809) auf. Während das ‘Aphasische’ in den Lehrjahren physiologisch bedingt ist, lässt es sich in Goethes späterem Roman allerdings als psychosomatisch verstehen. Mit Fokus auf Wilhelm Meisters Lehrjahren spürt der vorliegende Beitrag Goethes Auseinandersetzungen mit dem Verlust der Sprache nach und fragt nach ihrer Bedeutung für Aphasie- und Literaturtheorie.

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FÜRHOLZER, K. ‘Selbst seine augen sprachen nicht mehr’. goethe und die aphasie. OXFORD GERMAN STUDIES, 2025, 54: 163–180.