E. Frick, Rico Gutschmidt, Wolf-Andreas Liebert

2025.6.1Glottotheory

DOI: 10.1515/glot-2025-2007

Abstract

Abstract Grenzsituationen sind für Karl Jaspers existenzielle Erschütterungen, die sich angesichts von Tod, Leiden, Kampf und Schuld einstellen und zu einer neuen Sicht auf die Welt führen können. Patientinnen und Patienten, die schweres körperliches oder seelisches Leid ertragen müssen oder aufgrund einer unheilbaren Erkrankung mit dem eigenen Tod konfrontiert sind, können ihre Situation daher als Grenzsituation im Sinne von Jaspers erfahren. In einer bereits durchgeführten qualitativen Studie zu Grenzsituationen im Gesundheitsbereich wurde untersucht, wie Patientinnen und Patienten Grenzsituationen erleben. Dabei spielten Grenzen der Sprache eine wichtige Rolle, die auch charakteristisch für religiöse Erfahrungen sind. Davon ausgehend untersucht die vorliegende Studie noch einmal gesondert die sprachliche Dimension von Grenzsituationen, indem sie die geführten Interviews interdisziplinär aus psychoanalytischer, philosophischer und linguistischer Sicht reanalysiert. Auf Grundlage von Jaspers’ Theorie der Grenzsituation und einer dreidimensionalen religionslinguistischen Heuristik wird dabei untersucht, welche Sprachformen und kommunikative Praktiken für den Umgang mit Grenzsituationen genutzt werden und welche kommunikativen Ereignisse, Akteure, Diskurse und Artefakte in verschiedenen Phasen von Grenzsituationen relevant gemacht werden.

Citation format

FRICK, E.; GUTSCHMIDT, Rico; LIEBERT, Wolf-Andreas. Sprache in grenzsituationen. Glottotheory, 2025, 16: 35–56.