Jan Černetič

2025.12.26Journal for Foreign Languages

DOI: 10.4312/vestnik.17.85-103

Abstract

Gendersensibler Sprachgebrauch ist in den letzten Jahren sowohl in den deutschen Medien als auch im Bildungswesen ein aktuelles Thema. Der Beitrag fasst das Geschlecht als eine soziale Kategorie auf, deren Berücksichtigung sich in den vielfältigen Möglichkeiten gendersensibler An­sprache im Deutschen widerspiegelt. Letzteres hat auch den Weg in die DaF-Lehrwerke gefunden, obwohl es selten direkt thematisiert wird. Die Ergebnisse einer quantitativen Umfrage unter slo­wenischen gymnasialen DaF-Lehrkräften zeigen, dass die Mehrheit ihre Lernenden zumindest mit einer Form gendersensiblen Sprachgebrauchs vertraut macht, auch wenn ein weitaus geringerer Anteil solche Formen tatsächlich anwendet. Wenn Lehrkräfte gendersensible Sprachformen ver­wenden, dann bedienen sie sich meistens einer ausführlichen Beidnennung. Sie halten die unter­richtliche Bearbeitung des Themas für etwas wichtiger als die konsequente Verwendung gender­sensibler Sprachformen im slowenischen Schulwesen, das nach Ansicht einer Minderheit dafür noch nicht „reif“ genug sei, und deren Verwendung zudem die Lesbarkeit (Verständlichkeit) des Textes beeinträchtige. Das Thema kann in den Unterricht integriert werden durch einen Vergleich verschiedener Texte (z. B. einer „weiblichen“ mit einer „männlichen“ Werbeanzeige), durch ein Projekt der Erstellung eines Wörterbuchs für gendersensible Sprache, dramapädagogisch durch die Inszenierung eines sog. Critical Incidents, explorativ durch ein Projekt der Befragung der Lernenden über ihren gender(un)sensiblen Sprachgebrauch im Alltag, fächerübergreifend durch eine Debatte über aktuelle Medienpraktiken (z. B. she/her) und kontrastiv durch die Anregung zum Nachdenken über (mutter)sprachliche Ebenen, auf denen sich Geschlechterrollen, Macht usw. am deutlichsten widerspiegeln.

Citation format

ČERNETIČ, Jan. Gendersensible sprache im daf-unterricht. Journal for Foreign Languages, 2025.