Daniel Rothenbühler
Abstract
Der im Januar dieses Jahres verstorbene Peter Rusterholz hat die Germanistik der letzten sechzig Jahre wesentlich mitgeprägt und sich als Mensch des Dialogs über Methoden- und Fachgrenzen hinweg sowohl an der Gesamthochschule Kassel (1973–1980) wie an der Universität Bern (1980–2000) für die Verständigung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Forschung und Lehre, Wissenschaft und Literatur eingesetzt. Voll vertraut mit der deutschsprachigen Literatur vom Mittelalter bis in die unmittelbare Gegenwart, hat er eine Vielzahl von kleineren und größeren Studien veröffentlicht. Er promovierte sich in älterer Germanistik bei Max Wehrli über die Schauspielmetapher im Drama des 17. Jahrhunderts und setzte sich auch mit Emil Staiger intensiv auseinander, der anderen Fachgröße an der Universität Zürich der 1950er/60er-Jahre. In der Nachfolge beider hat er sich die theoretische Reflexion über die Entwicklung der historischen Hermeneutik zur Lebensaufgabe gemacht und in mehreren Standarttexten dargelegt. Wichtig war ihm ab Mitte der 1970er-Jahre die Verbindung der Hermeneutik mit der Semiotik, und auf dieser Grundlage verfolgte er ab Mitte der 1980er-Jahre mit kritischer Aufmerksamkeit auch die Beiträge des Poststrukturalismus und Dekonstruktivismus zum Streit der Interpretationen. Als Präsident der „Collegium generale“ der Universität Bern bahnte er von 1989 bis 2009 dem wissenschaftlichen Dialog zwischen den verschiedenen Disziplinen den Weg und förderte von 1981 bis 2011 jenen der Universität mit der Literatur, indem er Lesungen von Autor:innen aus dem ganzen deutschen Sprachraum durchführte. Als Emeritus arbeitete er neben diesen Tätigkeiten und einer Vielzahl von Publikationen an zwei Großprojekten weiter: mit Andreas Solbach an der Herausgabe der ersten „Schweizer Literaturgeschichte“ (2007), die die Entwicklung aller vier Literaturen der Schweizer vom Mittelalter bis 2000 verfolgt, und als Leiter der „Forschungsgruppe Dürrenmatt“ an der Aufarbeitung des riesigen Dürrenmatt-Nachlasses, der Neuedition des Gesamtwerks und der Edition der „Stoffe“, und damit an einer Erneuerung des methodischen Zugangs zu diesem Werk, die es erlaubt, mit dem wissenschaftlichen auch das literaturkritische Verständnis des Schaffens dieses weltweit bedeutenden Schriftstellers zu aktualisieren. Der Beitrag informiert über die verschiedenen Leistungen von Peter Rusterholz und bietet eine Liste seiner wichtigsten Publikationen.
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ROTHENBÜHLER, Daniel. Cross-epochal understanding. in memoriam peter rusterholz (1934–2025). Colloquia Germanica Stetinensia, 2025.