Dietlind Stolle
Abstract
Generalisiertes Vertrauen ist eine wichtige gesellschaftliche Ressource und ist als integraler Aspekt und Messinstrument des sozialen Kapitals anerkannt. Dieser Artikel gibt einen Uberblick uber das Konzept des generalisierten Vertrauens. Hierzu wird zunachst generalisiertes Vertrauen mit anderen Formen von Vertrauen in der interdisziplinaren Literatur verglichen, wie strategisches oder rationales Vertrauen, identitatsbezogenes Vertrauen sowie moralisches Vertrauen. Diese Vertrauensmodelle unterscheiden sich in der Auffassung daruber, was Vertrauen ist, wie es entwickelt wird, und hinsichtlich der Zahl von BurgerInnen, die in das Vertrauen miteinbezogen werden. Zum zweiten werden die Erkenntnisse der Vertrauensmodelle benutzt, um den Ursprung und die Ursachen des generalisierten Vertrauens zu identifizieren. Dabei wird zwischen zwei Ansatzen unterschieden: der zivilgesellschaftliche und der institutionelle Mechanismus. Die empirische Forschung konnte die Annahmen uber die Relevanz von Vereinen fur die Entwicklung von generalisiertem Vertrauen nicht in der ursprunglichen Form bestatigen. Stattdessen spielen institutionelle Aspekte wie Gerechtigkeit und Unparteilichkeit eine grosere Rolle fur generalisiertes Vertrauen, wobei allerdings weitere Forschung das Kausalitatsproblem entflechten muss.
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STOLLE, Dietlind. Trusting strangers - the concept of generalized trust in perspective. Austrian Journal of Political Science, 2002, 31: 397–412.