D. Fenner
Abstract
Der Beitrag widmet sich dem Thema Hochsensibilitat, das erst allmahlich in den empirischen Wissenschaften der Psychologie, Medizin und Neurowissenschaft erforscht wird, aber bislang in der Philosophie und den Geisteswissenschaften generell kaum Beachtung fand. Gesellschaftlich gesehen lasst sich jedoch von einem „Modetrend“ sprechen, auf den immer mehr ausgebrannte Menschen aufspringen, weil diese Etikette nobler klingt als „Burnout“ oder „Depression“. Im Artikel wird die in der Sachbuch- und Lebenshilfeliteratur oft postulierte These kritisch erortert, derzufolge die Gesellschaft Hochsensible brauche. Analysiert werden im Hauptteil die wichtigsten zur Stutzung dieser These angefuhrten Argumente: das Argument der Einzigartigkeit jedes Menschen (1), der Funktion als Seismographen (2), der besonderen ethischen Qualifikationen (3), der Naturlichkeit (4) und der besonderen Fahigkeiten im Kunstbereich (5). Am Ende wird ein Fazit gezogen und skizziert, in welche Richtung die offentliche Diskussion aus sozialethischer Sicht gehen sollte, um die Verengung auf liberale individualethische Appelle zur Selbstoptimierung zu uberwinden.
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FENNER, D. Braucht die gesellschaft hochsensible und wenn ja wozu? Eine kritische analyse der pro-argumente. Perspektiven der Philosophie, 2020.