Holger Lengfeld
2020.11.24KOLNER ZEITSCHRIFT FUR SOZIOLOGIE UND SOZIALPSYCHOLOGIE
Abstract
Wie solidarisch ist Europa? Diese Frage stellt sich mit der Covid-19-Pandemie mit neuer Brisanz und womöglich aktueller denn je. Es geht dabei um die wechselseitige Übernahme von Intensivpatienten und -patientinnen, die Zusammenarbeit bei der Entwicklung eines Impfstoffes, jedoch auch um das anfängliche Zurückhalten von Schutzausrüstung und nationale Alleingänge und Schließungen. In den Verhandlungen über den Corona-Wiederaufbaufond der EU, der die ökonomischen und sozialen Folgen der Pandemie auffangen soll, wurden die verschiedenen Positionen zu Ausmaß und Konditionalität europäischer Solidarität deutlich. Während die deutsche Regierung von ihrer Position (auch im Vergleich zur letzten Wirtschaftskrise) abrückte und sich gemeinsam mit der französischen Regierung für ein umfassendes Hilfspaket aussprach, sind es die sogenannten sparsamen Vier (Österreich, die Niederlande, Dänemark und Schweden), die ihre Solidarität an starke Auflagen für die Empfänger knüpfen wollen. Einig sind sich die meisten Beteiligten jedoch darin, dass die gegenwärtige Krise und deren soziale Konsequenzen nur durch ein gemeinsames Vorgehen und europäische Solidarität abgefedert werden können. Dies wiederum setzt die Bereitschaft der Bevölkerungen in den Mitgliedsstaaten voraus. Wie solidarisch ist also Europa? Diese Frage hat sich die Gruppe aus Forschern und Forscherinnen um Jürgen Gerhards, Holger Lengfeld, Zsófia S. Ignácz, Flori-
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LENGFELD, Holger. Europa. KOLNER ZEITSCHRIFT FUR SOZIOLOGIE UND SOZIALPSYCHOLOGIE, 2020, 72: 691–694.